Ein tragischer Verlust für den Journalismus in Gaza
Palästinensische Journalisten haben ihrem verstorbenen Kollegen Ahmed Wishah von Al Jazeera Tribut gezollt, der bei einem israelischen Luftangriff auf das Bureij-Flüchtlingslager in Zentralgaza ums Leben kam. Wishah ist der zwölfte Al Jazeera-Journalist, der in den letzten Wochen in Gaza getötet wurde, was die Region zur tödlichsten für Journalisten weltweit macht.
Der tragische Hintergrund
Der 25-jährige Wishah wurde am Samstag getötet, nur wenige Wochen nach dem Tod seines Bruders Mohammed, der ebenfalls für das in Doha ansässige Netzwerk arbeitete und bei einem gezielten israelischen Beschuss seines Fahrzeugs ums Leben kam. Laut der Committee to Protect Journalists wurden seit Beginn der israelischen Offensive im Oktober 2023 mindestens 260 palästinensische Journalisten getötet.
Wer war Ahmed Wishah?
Ahmed Samir Mohammed Wishah wurde im Bureij-Flüchtlingslager geboren und war der Jüngste von drei Brüdern. Er arbeitete als Kameramann für Al Jazeera Mubasher und erlangte während des Gaza-Kriegs an Bekanntheit, indem er seinen verstorbenen Bruder begleitete und Filmmaterial drehte. Gemeinsam dokumentierten sie das Leid des palästinensischen Volkes und die Entwicklungen des Konflikts.
Worte des Aufrufs und der Trauer
In einem Interview nach dem Tod seines Bruders rief Ahmed die internationale Gemeinschaft dazu auf, das Töten von Journalisten zu stoppen. Er erklärte: „Lasst das Martyrium von Mohammed Wishah das Ende der Tötung von Journalisten sein. Das ist meine Botschaft an die Welt. Jemand sollte die Besatzung daran hindern, Journalisten ins Visier zu nehmen.“
Ein Leben voller Verantwortung
Ahmeds Hingabe zu seinem Bruder ging über seine journalistischen Pflichten hinaus. Nach dem Tod von Mohammed übernahm er auch die Verantwortung für dessen Kinder und kümmerte sich um seine Familie.
Erinnerungen von Kollegen
Talal Mahmoud, ein Al Jazeera Mubasher-Korrespondent in Gaza, erinnerte sich an die enge Verbindung zu den beiden Brüdern: „Ich kenne Ahmed seit Beginn des Krieges. Er war immer anwesend, begleitete seinen Bruder Mohammed im Zelt, wo er wohnte.“ Mahmoud berichtete, dass sie oft Gedanken austauschten und sich über die Details ihrer Berichterstattung unterhielten.
Eine bewegende Erinnerung teilte Mahmoud: „Mein letztes Treffen mit Ahmed war vor einigen Tagen, als er uns erzählte, dass seine Mutter ein Gericht zu Ehren seines gefallenen Bruders zubereiten wollte. Er brachte uns Maftoul, ein traditionelles palästinensisches Gericht, und sagte: ‚Das ist von meiner Mutter, ein Gnadenangebot für die Seele meines Bruders Mohammed. Bitte betet für ihn.‘“
Ein sanfter Geist
Von einem Friedhof in Bureij beschrieb Khaled al-Shatli, ebenfalls Kameramann bei Al Jazeera Mubasher, Ahmed als sanfte Seele: „Wenn man von Ahmed Wishah spricht, spricht man von einem höflichen und moralisch hochstehenden jungen Mann.“ Al-Shatli bemerkte, dass Ahmed oft Witze machte und stets einen freundlichen Umgang pflegte.
Die letzten Tage von Ahmeds Leben schienen ein Abschiedsbotschaft zu tragen. Al-Shatli fügte hinzu: „Gerade gestern verabschiedete er sich von seinen Freunden und seiner Familie im Bureij-Lager und machte Fotos mit ihnen, was wie ein letztes Goodbye wirkte.“
Erinnerungen an seine Prinzipien
Mohammad al-Akhras, ein Fotojournalist, der mit CGTN zusammenarbeitet, erinnerte sich an Ahmed als „freundliche, sanfte und tief principielle Person, die ihren Kollegen einen fröhlichen Geist brachte“. Al-Akhras betonte, dass Ahmed mit echtem Engagement arbeitete, um die Botschaft und das Leid des Volkes zu vermitteln.
Er sprach oft von Martyrium und Paradies: „Immer wenn wir scherzhaft fragten, ob er nicht heiraten wolle, antwortete er: ‚Meine Hochzeit wird im Paradies sein.‘ Er erreichte genau das, wonach er strebte.“
Reaktionen auf seinem Tod
Ein israelischer Militärsprecher beschuldigte Ahmed Wishah, ohne Beweise vorzulegen, ein „Hamas-Terrorist“ zu sein. Al Jazeera wies diese Anschuldigung als „grundlos“ zurück und erklärte, dass die israelischen Streitkräfte „unermüdlich falsche Anschuldigungen“ gegen ihre Mitarbeiter verbreiten, um ihre Verbrechen gegen Journalisten in Gaza zu rechtfertigen.
In einer weiteren Erklärung bestätigte Al Jazeera, dass sie entschlossen sei, „alle verfügbaren rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Täter“ der Verbrechen gegen ihre Mitarbeiter in Gaza zur Rechenschaft zu ziehen. Die Nachrichtenorganisation betonte, dass sie trotz der Versuche der israelischen Militärs, „die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen“, weiterhin über die Ereignisse im Gazastreifen berichten werde.
Fazit
Ahmed Wishah wird als Symbol für den Mut und die Entschlossenheit in der Berichterstattung über die Realität in Gaza in Erinnerung bleiben. Sein Leben und sein Tod verdeutlichen die Gefahren, denen Journalisten in Konfliktgebieten ausgesetzt sind, sowie die Notwendigkeit, die Wahrheit über die Geschehnisse zu berichten.